Genetrix Salus Gloria Porta

Aus der Stille erwächst ein verborgenes Licht,
und die Mutter betet den Platz unterm Herz.
Dann ein Schrei, der die Last der Geburt so besticht,
es ist da und es sucht einen Trost für den Schmerz.

Es tanzt und singt, es lacht und weint,
es wird nun groß, es wird nun stark.
Ein Kind mit Eltern fest vereint,
Verbleibt ein alter Boden karg.

Stehend auf eigenen ßen mit Stolz,
schenkt uns Fortuna die Liebe und Glanz?
Apfel vom Stamme, geworden zu Holz,
schließt sich der Kreis nun zum goldenen Kranz.

Leise beugt sich jetzt der cken,
alter Schmerz kehrt wieder ein.
Demut heißt das tiefe cken,
Tröstung schenkt ein anders Sein.


Zum Aufbau: Das Werk gliedert sich in vier lateinisch betitelte Zyklen, die den menschlichen Lebensweg vom mütterlichen Ursprung (Genetrix) über die Phase der heranreifenden Lebenskraft (Salus) und des gesellschaftlichen Glanzes (Gloria) bis hin zur finalen Transzendenz (Porta) nachzeichnen. Dabei fungieren die Titelbegriffe nicht nur als thematische Wegweiser, sondern determinieren als metrischer Schlüssel die rhythmische Struktur der jeweiligen Strophen: Vom drängenden Anapäst des Erwachens bis zur fallenden Metrik des Loslassens wird die Form selbst zum Träger der existenziellen Erfahrung.
Erste Strophe: Vierhebiger Anapäst mit durchgehend männlicher Kadenz. Kreuzreime.
Zweite Strophe: Vierhebiger Jambus mit durchgehend männlicher Kadenz. Die strengen Kreuzreime werden in der Finalzeile durch eine bewusste Assonanz (stark/karg) gebrochen, um die einsetzende Erschöpfung des elterlichen Bodens lautmalerisch darzustellen.
Dritte Strophe: Vierhebiger Daktylus mit durchgehend männlicher Kadenz. Die vierte Hebung ist jeweils katalektisch gekürzt, was jede Zeile mit einem gewichtigen, einsilbigen Takt schließt (Stolz, Glanz, Holz, Kranz). Dieser Rhythmus erzeugt einen rollenden, hymnischen Charakter, der die Erhabenheit der Lebensmitte widerspiegelt.
Vierte Strophe: Vierhebiger Trochäus. Der Wechsel zwischen akatalektischen und katalektischen Versenden spiegelt den Kontrast zwischen dem weichen Beugen (Demut) und der festen Ankunft im neuen Zustand (Trost) wider. Der Kreuzreim [abab] schließt das Werk harmonisch ab, wobei die Rückkehr des Motivs „Schmerz“ die menschliche Existenz als einen geschlossenen, leidvollen, aber schlussendlich getrösteten Kreis darstellt.